Hilferuf von der Heldenburg

Vertreter unterschiedlicher Kultureinrichtungen aus der Region hatten sich auf der Heldenburg zum Auftakt der »Night of Light« versammelt – seit dem 10. März gibt es aufgrund der Corona-Regeln keine Möglichkeiten mehr, Veranstaltungen unterschiedlichster Art durchzuführen. Es herrscht deshalb »Alarmstufe Rot«. Das machten deutlich (von links): Veranstaltungs- und Eventtechniker Frank Meyer als Organisator dieser Aktion vor Ort, Martin Keil (»TangoBrücke«), Anika Schmitt (PS.SPEICHER), Jörg Bachmann (»Kultur im Esel«), Rüdiger Sprink (Musik- und Kulturkreis Mark­oldendorf), Einbecks Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Ulrike Lauerwald (Kulturring Einbeck/Tourist-Information), Dennie Klose (Moderationen/»Einbeck lacht«), Heiko Jörns (Weinhaus Jörns/»Einbeck lacht«), Birgit Berger (»Kultur im Esel«), Henry Peter (Gesellschaft der Karnevalsfreunde Einbeck) und Dirk Heitmüller, Vorsitzender des Fördervereins Heldenburg.

Foto: Michaela Hundertmark

Bericht aus der Einbecker Morgenpost vom 24.06.2020

Ein »flammendes« Zeichen sollte es sein, der Hilferuf einer gesamten Branche, beeindruckend in den Abendhimmel geschickt: Mit der Aktion »Night of Light« haben die Unternehmen der Veranstaltungswirtschaft in Deutschland auf ihre dramatische Situation aufmerksam gemacht – auch in der Region: In Salzderhelden ist die Heldenburg in rotes Licht getaucht worden, in Einbeck wurde die Fassade der Goetheschule rot angestrahlt. Seit dem 10. März ist durch die Corona-Krise beziehungsweise den Lockdown einem kompletten Wirtschaftszweig die Arbeitsgrundlage entzogen, so der Grund der Aktion. Große und kleine Veranstaltungen, Konzerte, Festivals, Theater – alles abgesagt. »Die nächsten 100 Tage übersteht die Veranstaltungswirtschaft nicht«, so die Warnung und Mahnung, die mit »Night of Light« öffentlich gemacht wurde.

In Salzderhelden haben Frank Meyer und Christoph Schwerdtfeger die Heldenburg flammend rot leuchten lassen in einer der längsten Nächte des Jahres. Ab etwa 21 Uhr und bis nach Mitternacht weithin sichtbar war dieses Zeichen der katastrophalen Lage, in der sich die Veranstaltungswirtschaft derzeit befindet. Frank Meyer und Christoph Schwerdtfeger sind als Veranstaltungstechniker selbst betroffen, sie haben sich deshalb den rund 8.300 Unternehmen angeschlossen, die mit der Illumination von mehr als 9.000 Gebäuden bundesweit auf die Situation aufmerksam gemacht haben.

Eingeladen hatten sie einen unter Corona-Gesichtspunkten nur kleinen Kreis weiterer Veranstalter und Kulturträger aus der Region. Alle sind betroffen, haben ihre Häuser, Hallen und Veranstaltungsräume seit dem 10. März geschlossen halten müssen, lang geplante Termine abgesagt, neue nur vage und mit weitem Vorlauf ins Visier genommen. Zwar sind nach Lockerungen durch die Landesregierung inzwischen kleine Angebote wieder möglich; einzuhalten sind aber weiterhin Abstands- und Hygienevorschriften. Damit sind Veranstaltungen in der Regel wirtschaftlich nicht mehr durchführbar, weil sich die erlaubte Teilnehmerzahl damit deutlich reduziert – und ob Besucher überhaupt Freude daran haben, unter diesen Bedingungen zu kommen, auch das sei, so die Kulturschaffenden vor Ort, eine große Frage.

Die Heldenburg, die sich im Lauf des Abends mit zunehmender Dunkelheit immer eindrucksvoller präsentierte, zog zahlreiche Interessierte an: Im Flecken standen sie an vielen Stellen, um die mit 30 LED-Scheinwerfern angestrahlten Mauern der historischen Höhenburg als Kunstwerk, aber auch als Statement zur Kenntnis zu nehmen und zu bestaunen, sich aber auch zum Nachdenken anregen zu lassen. Dass Vieles als Selbstverständlichkeit hingenommen wird, fällt häufig erst auf, wenn es fehlt und sogar, wie in diesem Fall, ernsthaft bedroht ist.
Daniel und Jonas Krümmel von Krümmel Event in Einbeck haben die »Night of Light« ebenfalls begleitet. Auf der Suche nach einem markanten Gebäude, das entsprechend in Szene gesetzt werden könnte, durften sie die Goetheschule nutzen, die in den späten Abendstunden für viele Schaulustige ein Blickpunkt und Fotomotiv war.

Der »flammende« Hilferuf ging an die Politik zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft. Initiiert wurde die Idee, die innerhalb weniger Tage große Resonanz gefunden hat, von Tom Koperek aus Essen, Betreiber der Grand Hall Zollverein. Die Farbe Rot wurde aus mehreren Gründen gewählt: Die Branche stehe auf der »Roten Liste« der akut vom Aussterben bedrohten Bereiche. Man benötige in dieser Lage echte Hilfe anstelle von Kredit-Programmen.

Diese seien nicht ausreichend und könnten nicht wertschöpfend investiert, sondern müssten zur Deckung von Betriebskosten genutzt werden. Vielen drohe nach dem Verbrauch der Kredite die Überschuldung. Gefordert wurde ein Branchendialog mit der Politik, um gemeinsam einen Weg aus der Krise zu finden; denn dieser Bereich mit Messebau, Veranstaltungstechnik, Eventagenturen, Catering, Bühnenbau, Kongressen, Tagungshotels, Künstlern und Einzelunternehmen war der erste, der von der Corona-Schließung betroffen war. Und leider werde er, da sind sich die Betroffenen einig, auch der letzte sein, der zum Ende der Pandemie auch wieder öffnen dürfe.

Allein Konzerte, Volksfest, Firmenfeiern und Messen würden in normalen Jahren in Deutschland knapp 500 Millionen Besucher anziehen – bis auf Weiteres könnten sie gar nicht oder nur unter erheblichen Auflagen stattfinden. Dabei sei die Veranstaltungswirtschaft eine komplexe Branche mit vielen unterschiedlichen, auch sehr speziellen Bereichen, eine zentrale Lobby gebe es deshalb nicht. Es herrsche also »Alarmstufe rot«, wenn ein Milliardenmarkt und mehrere hunderttausend Arbeitsplätze in Gefahr seien. Die Farbe Rot, auch das drückte die »Night of Light« aus, ist zudem ein Symbol für die Leidenschaft, mit der alle für ihren Beruf einstehen: »Wir brennen für das, was wir tun.« Durch die Vielzahl der Aktionen wurde auch deutlich gemacht: »Wir sind eine Gemeinschaft.«

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