Sitz der Grubenhagener Fürsten

Die Burg oder das Schloß Salzderhelden liegt auf einer Anhöhe über dem Flecken Salzderhelden etwa vier Kilometer östlich von Einbeck. Heute ist die Burg eine Ruine, allerdings finden sich noch stattliche Reste wie ein quadratischer Turm im Nordwesten und einer fast zwölf Meter hohen Umfassungsmauer eines Wohnhauses mit Resten eines Kamins.

Kappelle mit den Resten vom Sakramentenschrank aus Sandstein.

Im Süden des Burggeländes befindet sich die Ruine eines turmartigen Gebäudes, welche wahrscheinlich die Burgkapelle darstellt. Darin ist eine ehemals verschließbare gotische Wandnische eingemauert. In Verlängerung der südlichen Außenwand befindet sich das Burgtor und weiter westlich sind Reste von Kellern und mit rechteckigen Pfeilern und Kreuzgewölben erhalten.

 

Der Name der Burg ist eher nicht mit einer Familie der Hellen oder Helden in Verbindung zu bringen. Eine Familie »Helden« kommt in den bekannten Urkunden nicht vor. In alten Urkunden wird zwar eine Familie »de lnferno«, also »Helle« oder »Hölle« und ein »Albertus von der Helle« erwähnt und in Goslar lebte eine Familie »von der Hellen«. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass sich die Burg im Besitz einer einzigen Familie niederen Adels befunden hat.

Erbaut wurde sie möglicherweise im 13. Jahrhundert von den Welfenherzögen oder den Grafen von Dassel. Vielleicht war die Burg auch ein so genanntes Ganerben-Haus, eine Burg, die von mehreren adeligen Familien gemeinschaftlich angelegt wurde und deren Besitzer sich gegenseitig beerbten. Der ursprünglich keltische Begriff »hal« für Salz, beziehungsweise »helde« für Hang lässt den Namen der Burg mit »Salzwerk an der Halde«, beziehungsweise am Hang erklären. Erwähnung findet die Burg im Jahre 1321 als »Castro Helden«. Auf der Heldenburg residierten und regierten die Grubenhagener Herzöge, in einigen Urkunden haben sie deshalb auch den Beinamen »von Salzderhelden«.

Lange Zeit war die Burg die einzige außerstädtische Münzprägestätte im Fürstentum Grubenhagen. 1332 wurde die Burg dem Bischof Heinrich von Hildesheim verpfändet. Kurz darauf wurde Herzog Ernst während einer Fehde von Herzog Heinrich von Hardenberg auf dessen Burg gefangen gehalten. Als Letzterer ebenfalls in Gefangenschaft kam, brachte man ihn bis zur Freilassung von Herzog Ernst auf die Burg Salzderhelden.

1361 benutzte Herzog Albrecht II. von Braunschweig-Grubenhagen als erster Welfenherzog anlässlich seines ‘Regierungsantrittes in Salzderhelden 1361 ein nach rechts schreitendes Pferd, das so genannte Sachsenross, in seinem Siegel, welches später zum Landeswappen Niedersachsens werden sollte.
Während der Regierung von Herzog Albrecht II. wurde die Burg belagert. Dabei kam es zum erstmaligen Einsatz einer Schusswaffe im niedersächsischen Raum. Der Thüringer Chronist Johann Rothe berichtet dazu: »Diz waz dy erste buchse yn dessin landin vernomen wart« Die Belagerten hätten »mit einem Geschütz herausgeblitzt« und der Markkgraf wäre mit seinen Truppen unter schweren Verlusten abgezogen.

 

Die Burgruine Heldenburg oberhalb vom Flecken Salzderhelden

Eine weitere Belagerung der Burg soll durch eine List vereitelt worden sein. Nach einer aufgehobenen Belagerung der Burg Grubenhagen griff Landgraf Ludwig von Hessen im Jahre 1448 die Burg Salzderhelden an. Zu der Zeit weilte auf der Burg die Äbtissin Elisabeth, die sich wegen einer Pestepidemie hierher zurückgezogen hatte. Die Äbtissin ließ statt einer weißen Fahne ein Frauenhemd aus einem Fenster wehen. Der Landgraf gab seine Belagerung daraufhin beschämt auf, weil er nicht mit Frauen kämpfen wollte.
Nach dem Tode von Herzog Heinrich IV. hatte seine Frau von 1526 bis 1541 ihren Witwensitz auf der Burg. Danach kam die Burg an Philipp den Älteren und wurde von dessen Gemahlin und ihrem Sohn bewohnt. 1560 erhielt Philipp der Jüngere die Heldenburg und übergab sie 1567 der Witwe seines Bruders, Herzog Ernst zur Leibzucht, das heißt ihren bleibenden Wohnsitz.
Herzogin Margarethe war die letzte fürstliche Bewohnerin der Burg. Als die Stadt Einbeck anlässlich der Hochzeit ihrer Tochter eine »Fräuleinsteuer von 2500 Thlr.« zahlen sollte, kam es zu einem Prozess beim Reichskammergericht. Die Stadt berief sich darauf, dass sich unter Herzog Philipp dem Älteren die jährliche Abgabe von 70 Talern verdreifacht hatte, zahlte aber die »Fräuleinsteuer« nach Intervention von Herzog Julius von Wolfenbüttel und dem Bischof von Paderborn.
1569 starb Margarethe und in der Folgezeit wurde die Burg von Amtmännern bewohnt. 1617 amtierte »Staatz Adrian von Wobersnau« auf der Burg. Zur Zeit des 30-jährigen Krieges lebten Konrad Schoppe und bis 1655 Amtmann Johann Valentin Haselbach auf der Burg. Danach residierte dort August Rettberg, der von Julius Rangäus abgelöst wurde. Für den 10.Juni 1675 ist überliefert, dass der zum Katholizismus konvertierte Herzog Johann Friedrich sich auf der Heldenburg aufhielt und dort »die berühmten Einbecker Reliquien in Empfang nahm.«

Der letzte Bewohner der Burg Salzderhelden war Oberjägermeister von Moltke, der 1692 in Hannover wegen der Beteiligung an einer Verschwörung gegen Herzog Ernst August enthauptet wurde.

Text: Wolgang Kampa

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